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Hintergrund

PKV-Beitragskalkulation

Der Beitragskalkulation der privaten Krankenversicherung liegt das Kapitaldeckungsverfahren zugrunde. Es besagt, dass die Beiträge so zu kalkulieren sind, dass sie die Ausgaben über die gesamte Laufzeit des Vertrages decken können. Dazu ist es erforderlich Rücklagen für die Zukunft zu bilden um die höheren Kosten im Alter bezahlen zu können. In der PKV zahlt jeder Versicherte einen individuellen Beitrag, der von seinem persönlichen Risiko und seiner gewählten Tarifleistung abhängt. Das Eintrittsalter hat dabei wesentlichen Einfluss auf die Beitragskalkulation, ebenso wie das Geschlecht, weil unterschiedlich hohe Lebenserwartungen und Krankengeschichten zu höheren Beiträgen für Frauen führen. Der PKV-Beitrag besteht aus folgenden drei Komponenten:

Die Höhe der drei Bestandteile variiert je nach Alter, Tarif und Geschlecht. Da das Risiko krank zu werden mit steigendem Alter wächst, steigt auch der Risikoanteil entsprechend. Der Sparanteil ist zu Beginn höher und vermindert sich im Zeitverlauf aufgrund des steigenden Risikobedarf. Ein Verlauf könnte folgendermaßen aussehen:

Die Risikoprämie deckt das individuelle Risiko des Privatversicherten und wird für jeden Tarif und innerhalb des Tarifs für jede Altersgruppe (Kollektiv) einzeln berechnet. Dazu muss zunächst anhand von Wahrscheinlichkeitstafeln und anderen statistischen Daten geschätzt werden wie oft und in welchem Umfang medizinische Leistungen in Anspruch genommen werden. Der so ermittelte PKV-Beitrag gilt allerdings nur für ein normales Risiko. Bestehende Vorerkrankungen können nur mit Risikozuschlägen oder Leistungseinschränkungen versichert werden. Wie streng hier eine Gesellschaft vorgeht, wird in sog. Annahmerichtlinien festgelegt. Sind diese zu streng leidet das Neugeschäft, bei zu laschen Annahmerichtlinien explodieren später die Kosten und es kommt zu hohen Beitragserhöhungen. Hier gab es in der Vergangenheit Gesellschaften, die unbedingt zu den Größten gehören wollten und alles was zwei Beine hatte, krankenversichert haben. Hier waren schon nach kurzer Zeit heftige Beitragserhöhungen die Folge und gesunde Mitglieder ergriffen die Flucht. Dies ist auch aktuell wieder zu beobachten, wo Erhöhungen für das Jahr 2011 von 20% bis 30% die Mitglieder erschrecken.

Locktarife

Ködertarife

Etwa die Hälfte der etwa 40 privaten Krankenversicherer arbeiten mit Ködertarifen um neue Kunden zu bekommen. Zum Teil sind die Gesellschaften dazu gezwungen, weil die alten Tarife mit der Zeit vergreisen und so teuer werden, dass kein frisches Blut mehr in diese Tarife will. Die Lösung für dieses Dilemma sind neue, knapp kalkulierte Tarife, die dann kräftig beworben werden um neue möglichst gesunde Kunden anzulocken. Selbst wenn eine Gesellschaft strenge Annahmerichtlinien hat und größtenteils gesunde Kunden in diese Tarife läßt, wollen nach einiger Zeit auch die Bestandskunden, die nicht mehr so gesund sind, in die neuen Tarife wechseln um Beiträge zu sparen. Anfänglich wehren sich die Versicherer, die kranken  Bestandkunden in die neuen und günstigen Tarife zu lassen, weil dadurch die Risikostrukturen negativ beeinflußt werden. Bei hartnäckigen Bestandskunden können die Gesellschaften trotzdem nicht viel machen, weil diese nach § 204 VVG ein Recht darauf haben. Auch Alte und Renter können nach diesem Paragrafen in neue Tarife mit guten Risikostrukturen wechseln, wenn der eigene PKV-Tarif unbezahlbar geworden ist. Wie es geht, siehe Wechsel PKV-Tarif.

Die Tatsache, dass sich in den alten Tarifen schlechte Risiken sammeln und in neuen Tarifen überproportional gute Risiken stecken, hat zur Folge, dass die Kostenentwicklung in den Tarifen mit den schlechten Risiken zu überproportional starken Beitragserhöhungen führt. Diese schmale Solidarität in der Kalkulation der PKV-Tarife führt auch dazu, dass dieselbe Leistung in unterschiedlichen Tarifen für weniger Geld zu bekommen ist. Auch wenn die Schaffung von Locktarifen und das Vergreisenlassen von Alt-Tarifen kritikwürdig ist, hat es sich bei den Gesellschaften, die diese Praxis anwenden als erfolgreiches Modell erwiesen, weil in den letzten Jahren die PKV-Unternehmen, die es als unseriös kritisiert haben und nicht anwenden wollten ihre Mitglieder mittlerweile in noch stärkeren Maß mit hohen Beitragsanpassungen verärgert haben.